Herzlich Willkommen

31.12.2017

Meine Geschichte zur Jahreslosung 2018

Herzlich Willkommen - Meine Geschichte zur Jahreslosung 2018Nie werde ich die Ilse-Quelle vergessen und ihr Wasser, das gerade zur rechten Zeit die Lebensgeister wieder erweckte. Mein Mann und ich wanderten damals quer durch Sauerland und Rothaargebirge, von Ort zu Ort, das Gepäck auf dem Rücken. Am Morgen waren wir in Bad Berleburg aufgebrochen. Eigentlich wollten wir nur bis Bad Laasphe, doch als wir schneller vorankamen als erwartet, änderten wir kurz vor Mittag unseren Plan. Auf der Karte sahen wir unsern neuen Weg voraus: Wir würden ins Lahntal absteigen, auf der anderen Seite wieder Höhe gewinnen und den Höhenzug entlang wandern. Nach einem kurzen Abstieg in ein kleines Tal würden wir dann ohne große Steigung ein Gasthaus erreichen. Telefonisch reservierten wir dort ein Zimmer. Gut 20 Kilometer lagen vor uns, aber wir waren gut im Training und zuversichtlich. Dass die Wasservorräte nicht optimal waren, wussten wir. Aber unten im Lahntal, so prophezeite unsere Karte, würden wir an eine Mühle kommen. Dort würden wir sicherlich Menschen antreffen – und bei ihnen einen Wasserhahn. Das Wetter war warm und sonnig. Wohlgemut und fröhlich machten wir uns auf den Weg.

Bergab laufend, erreichten wir rasch die Lahn. Aber die dortige Mühle war nicht bewirtschaftet, und die angrenzende Spedition hatte wohl Insolvenz angemeldet. Keine Menschen, kein Wasser. Wir würden uns einschränken müssen, sahen darin aber nicht wirklich ein Problem. Wie von der Karte versprochen, zog sich der Weg mit einer angenehmen Steigung auf die Höhe hinauf. Es wurde Nachmittag und noch wärmer. Wasser nahmen wir nur schluckweise.

Schließlich gelangten wir an die Wegkreuzung, an der wir in das kleine Tal absteigen sollten. Vom breiten Forstweg ging hier nach rechts ein Hohlweg ab, tief in einen steilen Hang eingeschnitten. Unser Weg. Doch was wir sahen, verschlug uns den Atem. Als hätten Riesen einfach mal Mikado gespielt, so lagen Hang und Hohlweg über und über voll mit Baumstämmen. Wenige Wochen zuvor war der Sturm „Kyrill“ über Westdeutschland gezogen, und hier hatte er ganze Arbeit geleistet! Für uns gab es in diesem Wirrwarr von Bäumen und Ästen kein Durchkommen. Es wäre lebensgefährlich gewesen, das überhaupt zu versuchen.

Wie aber sollten wir jetzt weitergehen? Ratlos befragten wir unsere Karte. Doch die konnte uns nicht weit helfen: Wir sahen nur, dass unser Forstweg sich noch zwei, drei Kilometer weiter schlängeln würde … und dann war der Rand unserer Wanderkarte erreicht. Wie es dort wohl weiterging? Klar war: Es blieb uns nichts anderes übrig, als weiter auf dem Forstweg zu laufen und abzuwarten. Dieser Weg zog sich, und er wurde jenseits unseres Kartenrandes immer noch länger. Wir wurden nervös vor Unsicherheit, und die Wärme wurde zur Hitze. Das Wasser wurde noch stärker rationiert. Endlich erreichten wir eine Straße. Erleichtert erkannten wir: sie schlängelt sich herab und wird uns doch noch auf den Grund des kleinen Tals bringen!

Von dort liefen wir dann das liebliche Tal bergan. Aber für diese Schönheit hatten wir keinen Sinn. Uns taten sie Füße weh. Die Rucksäcke drückten. Es war heiß. Und wir hatten Durst. Das Wasser in den Flaschen reichte ja längst nur noch zum Mund-Befeuchten. Die Zunge klebte, die Schritte fielen schwer und schwerer. Und bis zum Gasthof war es noch weit.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir das Ende des kleinen Tals. Doch was uns dort erwartete, hätten wir uns im Traum nicht ausgemalt: Dort entsprang ein Bächlein, die „Ilse“. Ihre Quelle sprudelte aus einem Hang und war sorgfältig mit Steinen eingefasst. Ein Bassin war gebaut worden, in dem sich das frische Wasser sammelte. Daneben hatte jemand ein Brett angebracht und liebevoll Gläser darauf platziert! Bequeme Bänke standen im Halbkreis. Wie fühlten wir uns willkommen! Ausgetrocknet wie wir waren, tranken und tranken wir. Und die Quelle gab uns verschwenderisch Wasser und nochmal Wasser. Köstlich war es, frisch und wohltuend. Wir streckten uns auf den Bänken aus, genossen die Sonne, lachten und scherzten und waren rundum glücklich. Die Lebensgeister kamen zurück. Dann lasen wir die Info-Schilder: Wir waren an einer alten Heilquelle angekommen. Im Mittelalter waren die Menschen von weither zu ihr hin gepilgert. Ihre Heilkräfte lassen sich heute sogar wissenschaftlich nachweisen. Wir staunten und füllten gleich alle unsere Wasserflaschen mit Ilse-Wasser. Davon wollten wir auch morgen noch trinken. Als wir schließlich aufbrachen, liefen sich die restlichen Kilometer bis zum Gasthaus wie von selbst, beschwingt und leichtfüßig.

Die Ilse-Quelle ist für meinen Mann und mich bis heute ein wichtiger Erinnerungsort: Hier wurde nicht nur unser Durst gestillt, sondern jemand hatte für uns liebevoll ein kleines Paradies gestaltet. All unsere Nervosität, unsere Erschöpfung, unsere Gereiztheit lösten sich auf in dem Moment, als wir mit Ilse-Wasser in den Gläsern auf den Bänken lagen.

Und doch war das ja nur ein „kleines“ Erden-Erlebnis. Die irdische Ilse-Quelle ist uns darin aber ein geistliches Bild für die Christus-Quelle geworden! Denn um wieviel intensiver, umfassender, machtvoller als die kleine Ilse wird uns Christus erwarten! Liebevoll und fürsorgend wird er unseren Lebensdurst stillen! Bei ihm kann die Erschöpfung aus unserem Leben abfallen, auch die Unruhe darüber, ob wir womöglich wichtige Entscheidungen falsch getroffen haben. Die Angst, etwas im Leben verpasst zu haben, wird bei ihm gestillt. Er wird die große Schuld und die kleinen Versäumnisse heilen, auch alle Trauer und unsere inneren Verletzungen. Wir werden bei ihm erfrischt und neu belebt an Leib und Seele und ohne Ende. Seine Quelle des ewigen Lebens sprudelt und sprudelt, ohne Unterlass und noch viel erfüllender als jede Wasserquelle auf dieser Erde. Und wir werden staunen – noch viel mehr als damals über das kleine Paradies an der Ilse.

Text und Foto (unter Verwendung des u.a. Buches): Annegret Puttkammer

Diese und andere lesenswerte Gedanken und Geschichten zur Jahreslosung finden Sie in Christoph Morgner (Hrsg.): Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Das Lesebuch zur Jahreslosung 2018. Brunnen-Verlag Gießen






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